WAS wird aus Kindern, die nicht zwischen Ballett, Xbox und Sky Surfing wählen können? Schulsozialarbeit kann helfen, dass auch ihre Chancen intakt sind!

  Bild Schulsozialarbeit - Schlägerei

Ein Beispiel aus dem Alltag der Schulsozialarbeiterin…

Fünf gegen einen. Erst wird ein bisschen geschubst. Dann ein bisschen stärker. Bis die Situation eskaliert und in einer handfesten Prügelei endet. ‚Ein konkreter Grund gab es nicht – Frust, Langeweile, keine Perspektiven‘, wird einer der ‚Täter‘ später sagen. Willkürlich hätten sie sich ein ‚Opfer‘ ausgesucht.

Obwohl die Prügelei ausserhalb des Schulgeländes stattfand, ist bald klar: Hier muss die Schulsozialarbeiterin helfen, soll das Schulklima nicht vergiftet werden: Denn Mitschüler und Eltern sind empört und verunsichert: ‘ Wer wird wohl das nächste Opfer‘?

 

Dass es nicht weiter eskaliert, daran arbeitet die Schulsozialarbeiterin in Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen und wo nötig mit der Schulleitung. Auch Eltern werden miteinbezogen. In einem Video wird die Szene nachgestellt und analysiert. Nur dass diesmal einer der ‚Täter das Opfer‘ ist. ‚Wie fühlt sich das an?‘, will die Schulsozialarbeiterin wissen. ‚Und was empfindet ihr, wenn ihr das Video anschaut?‘ In der Auseinandersetzung mit den Gewaltsituationen wird intensiv nach den Ursachen für das Ausrasten gesucht und was, wie verändert werden könnte. Gegen das Gefühl, nirgends dazuzugehören, wird den Jugendlichen mit Migrationshintergrund Biographiearbeit verordnet. Im Zentrum steht die Frage: ‚Wo komme ich eigentlich her? Und was will ich erreichen?‘ Gemeinsam wird überlegt, wie die Fehler wieder gutgemacht werden können. Die Vorschläge werden an einem Elternabend präsentiert, um zu zeigen, wie ernst es den Jugendlichen ist. Beim Opfer und seiner Familie müssen die Jugendlichen sich persönlich entschuldigen. Die Fünf bieten ihre Hilfe bei der Gartenarbeit an. Die ‚Opferfamilie‘ lehnt ab: ‚Die Täter‘ im eigenen Garten? Unvorstellbar!‘ Erst als sich einer der Väter bereit erklärt, die Jugendlichen zu beaufsichtigen, willigt die Familie ein. Auch vor der Klasse müssen die Jugendlichen erklären, wie leid ihnen alles tut.

Die Schulsozialarbeiterin greift ein heikles Thema auf, das die ganze Klasse betrifft: ,Mitwisser machen sich zu Mittätern!‘ Denn wie sich herausgestellt hat, wussten einige Mitschüler von den Prügelabsichten. Doch viele Jugendliche sehen sich da in einer Zwickmühle: ‚Man verpfeift doch niemanden, schon gar keine Freunde!‘ Doch die Schulsozialarbeiterin macht deutlich, dass es gute und schlechte Geheimnisse gibt und: ‚Wer schweigt stimmt zu!‘ Ihr Vorschlag als Ausweg aus dem Dilemma: ‚Ihr könnt den Kumpel warnen: Wenn du das machst, dann melde ich das. Dann hat es der andere in der Hand, ob er riskieren will, bestraft zu werden.‘ die Jugendlichen nicken zögerlich, jedoch zustimmend...

  

So oder ähnlich könnte es sich überall in der Schweiz abspielen. Es ist ein Beispiel aus dem vielfältigen Themenfeld, mit dem sich die Schulsozialarbeit beschäftigt. ‚Ob Mobbing unter den Mitschülern, Stress mit den Lehrpersonen oder den Eltern oder Probleme mit Drogen – die Schulsozialarbeiter sind Ansprech- und Vertrauenspersonen für Kinder und Jugendliche. Neben der individuellen Hilfe gehören auch Interventionen im Klassenverband oder Präventionsarbeit durch Gesundheitsförderung und Gewaltprävention zu den Schwerpunktaktivitäten der Schulsozialarbeit. Sie hat das primäre Ziel, Kinder und Jugendliche beim Erwachsenwerden und bei der Entwicklung von Kompetenzen und Strategien zur Bewältigung ihres Lebens zu unterstützen. Schulsozialarbeit ist daher ein niederschwelliges Angebot, welches allen Schülerinnen und Schülern offensteht mit dem Ziel auch jene zu erreichen, die aus finanziellen oder kulturellen Gründen nicht zwischen Ballett, Xbox oder Sky Surfing wählen können. Da für eine gesunde Entwicklung auch das Umfeld entscheidend ist, richtet sich das Angebot der Schulsozialarbeit auch an Lehrpersonen und Eltern, die Rat brauchen.

Schulsozialarbeit ist eine junge Disziplin in der Kinder- und Jugendhilfe. In den vergangenen 20 Jahren hat sich dieses Berufsfeld ausgehend von Initiativen von Schulen und Gemeinden rasant und erfolgreich entwickelt. Allein im Kanton Aargau wird Schulsozialarbeit in über 60 Schulen angeboten.

Wie das Angebot beurteilt wird, zeigt eine Evaluation der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften/Soziale Arbeit aus dem Jahr 2008: Befragt wurden Schulleitungen, Lehrpersonen, Kindergärtnerinnen und Hortleiterinnen. Danach hielten 73 Prozent der Teilnehmenden die Versorgung mit Schulsozialarbeit an ihrer Schule für sehr wichtig. Die Studie erhob die häufigsten Probleme, bei denen Lehrer Schulsozialarbeiter involvieren. Dazu zählen auffälliges oder abweichendes Verhalten (z.B. Suchtprobleme), Sozialisationsdefizite, Integrationsprobleme, Mobbing unter Schülern und unkooperative Eltern.

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